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Zustand der Flussauen

Diagramm

Diagramm des Indikatorverlaufs mit Wert von 2009. Die Kernaussage des Diagramms und weitere Informationen finden Sie in der nachfolgenden Tabelle.

Grafik: BfN (2010), Daten: Planungsbüro Koenzen, Universität zu Köln (2009)

Kurzfassung

Indikator "Zustand der Flussauen"
Themenfelder der NBS B 1.2.4 Flüsse und Auen, C 4 Gewässerschutz und Hochwasservorsorge
Definition Der Indikator gibt Auskunft über den Zustand der Flussauen als Lebensraum von Pflanzen und Tieren.
Gemessene oder beobachtete Größe Index (Maßzahl in %) über die gewichteten Bewertungen des Auenzustands der 79 größeren im Auenzustandsbericht erfassten Flussauen Deutschlands
Letzter berichteter Wert 19 % (Stand: 2009)
Ziel/Zielwert Verbesserung des bundesweiten Auenzustandes um 10 Prozentpunkte bis 2020 gegenüber dem Indikatorwert in 2009 (Anstieg auf 29 %)
Status MinusDer aktuelle Wert liegt noch weit vom Zielbereich entfernt (Zielerreichungsgrad 50 % bis < 80 %).
Trend n.v.
Kernaussage Die größeren Flussauen in Deutschland sind insgesamt stark beeinträchtigt (Indikatorwert im Jahr 2009 beträgt 19 %). Um die biologische Vielfalt in Flussauen zu schützen und zu entwickeln, bedarf es auch künftig großer Anstrengungen.
Indikatorensystem -

Einführung

Foto der Donau mit Donauaue bei Neuburg

Donauaue bei Neuburg © Planungsbüro PAN GmbH

Flüsse und ihre Auen haben eine große Bedeutung für die Erhaltung der biologischen Vielfalt. Sie sind Lebensraum zahlreicher an die spezifischen Standortbedingungen – insbesondere Dynamik von Überflutungen und Wasserangebot – angepasster Arten und stellen häufig überregional bedeutsame Biotopverbundachsen dar. Insbesondere den Auen kommt zudem eine wichtige Rolle als Überflutungsraum zu, der wesentlich zum Schutz vor Hochwasserschäden beiträgt. Beide Themenkomplexe – Schutz der biologischen Vielfalt an Gewässern und Hochwasservorsorge – sind daher elementare Bestandteile des Aktionsfeldes C4 „Gewässerschutz und Hochwasservorsorge“ der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt.

Als Ergebnis mehrerer Forschungsvorhaben wurde 2009 ein Auenzustandsbericht für die größeren Flussauen in Deutschland veröffentlicht (BMU & BfN 2009). Damit konnte erstmals deutschlandweit der Zustand der Flussauen dargestellt werden. Die Daten eignen sich zur Überprüfung der in der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt genannten Ziele im Hinblick auf eine Verbesserung des Zustandes der Auen. Bis 2020 sollen hiernach Fließgewässer und Auen in ihrer Funktion als Lebensraum soweit gesichert werden, dass eine für Deutschland naturraumtypische Vielfalt an Organismen und Biotopen gewährleistet ist. Weiterhin sollen bis 2020 Maßnahmen greifen, damit der überwiegende Teil der Fließgewässer wieder über mehr natürliche Überflutungsräume verfügt (Vergrößerung der aktuellen Rückhalteflächen an Flüssen um mindestens 10 %).


Definition

Der neu entwickelte Indikator wird als Indexwert berechnet, der den Auenzustand aller im Auenzustandsbericht erfassten Flussauen berücksichtigt. Der Auenzustand stellt eine Übersichtsbewertung der morphologischen und hydrologischen Standortbedingungen sowie der Nutzung der Auen dar. Diese Faktoren bestimmen maßgeblich die Qualität der Lebensräume für Pflanzen und Tiere in Auen.

Als konkreter Zielwert wird für den Indikator auf Grundlage der Ergebnisse des Auenzustandsberichtes eine Verbesserung des bundesweiten Auenzustandes um 10 Prozentpunkte bis 2020 gegenüber dem Indikatorwert in 2009 angestrebt.

„Bis 2020 sind Fließgewässer und ihre Auen in ihrer Funktion als Lebensraum soweit gesichert, dass eine für Deutschland naturraumtypische Vielfalt gewährleistet ist. [...] Bis 2020 verfügt der überwiegende Teil der Fließgewässer wieder über mehr natürliche Überflutungsräume.“ (BMU 2007: 35)


Aufbau

Die Datengrundlage für den Indikator ist der Auenzustandsbericht 2009. Untersucht wurden die heute noch überflutbaren Teile der Flussauen jeweils beginnend an der Stelle des Flusses, an der das Einzugsgebiet 1.000 km² überschreitet. Die Tidebereiche der Flüsse wurden nicht erfasst. Der Untersuchungsraum umfasst somit die größeren Auen von insgesamt 79 Flüssen (10.276 Flusskilometer, Gesamtfläche der Auen von 15.533 km²) und gliedert sich in die Haupteinzugsgebiete von Rhein, Elbe, Donau, Weser, Ems, Oder, Maas sowie der direkten Zuflüsse zur Nord- und Ostsee. Die Bewertung der Auen erfolgt für jeweils 1 km lange Auensegmente getrennt für den rechts und links des Fließgewässers gelegenen Teil der Aue. Dabei werden drei wichtige funktionale Aspekte der Aue betrachtet: das Auenrelief, die Dynamik des Abflusses sowie die Verteilung von Vegetation und Landnutzungen (s. nachfolgende Grafik).

In die Bewertung der Hauptfunktionen fließen eine Vielzahl auenrelevanter Parameter ein, die aus unterschiedlichen bundesweit verfügbaren Datenquellen stam­men, insbesondere Gewässerstrukturdaten und Flächennutzungsdaten aus dem Digitalen Landschaftsmodell (DLM25).

Die Auenzustandsbewertung unterscheidet fünf Zustandsklassen von „sehr gering verändert“ (Klasse 1) bis „sehr stark verändert“ (Klasse 5).

Zustandsklassen
Klasse Bezeichnung Gewichtungsfaktor
1 Sehr gering verändert 16
2 Gering verändert 8
3 Deutlich verändert 4
4 Stark verändert 2
5 Sehr stark verändert 0

Die Bewertung basiert auf Leitbildern der bundesweiten Auentypologie nach Koenzen (2005). Ebenso wie die Bewertungen nach der europäischen Wasserrahmenrichtlinie bezieht sie sich auf einen vom Menschen unbeeinflussten Referenzzustand, im Falle der Auen auf den „potenziell natürlichen Zustand“. Bei der Indexberechnung erfolgt eine progressive Gewichtung der Zustandsklassen. Der Indikatorwert liegt theoretisch zwischen 0 % (alle Auen sind sehr stark verändert) und 100 % (alle Auen sind nur sehr gering verändert).

Karte von Deutschlands Fließgewässern und Einteilung der Auen der größeren Fließgewässer in fünf Zustandsklassen nach dem Grad der Naturnähe

Zustand der Flussauen in Deutschland (Brunotte at al. 2009)


Aussage

Der Indikatorwert beträgt 2009 für die Flussauen in Deutschland 19 %. Er spiegelt die insgesamt starke Beeinträchtigung der Flussauen in Deutschland wider und entspricht einer durchschnittlichen Einstufung aller Auensegmente zwischen den Zustandsklassen „deutlich verändert“ (Klasse 3) und „stark verändert“ (Klasse 4). Nur etwa 10 % aller Abschnitte wurden als „sehr gering verändert“ (Klasse 1) oder „gering verändert“ (Klasse 2) bewertet.

Bezogen auf die Einzugsgebiete ist tendenziell ein Nord-Süd-Gefälle erkennbar (siehe Karte): Während insbesondere die kleinen Ostseezuflüsse einen Verlust an Überschwemmungsflächen von nur etwa einem Drittel sowie mehrheitlich gering veränderte Auen aufweisen (Indikatorwert 42 %), sind vor allem die Flussauen im Einzugsbereich von Donau (Indikatorwert 21 %) und Rhein (Indikatorwert 13 %) meist deutlich bis sehr stark verändert. Gerade an diesen Flüssen machen sich massive Eingriffe in die Gewässer- und Auendynamik sowie in die Abflussdynamik bemerkbar.

Wesentliche Ursachen für den insgesamt schlechten Zustand sind die intensive Nutzung der Auen, eine starke Einschränkung der Überschwemmungsräume sowie der weitreichende Gewässerausbau und die Staubeeinflussung. Um die biologische Vielfalt in Flussauen zu schützen und zu entwickeln bedarf es künftig großer Anstrengungen. Die Bundesregierung hat sich daher vorgenommen, bis 2020 den Zustand von Fließgewässern und Auen deutlich zu verbessern und Maßnahmen zu ergreifen, um natürliche Überflutungsräume in Flussauen zu vergrößern.

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Weitere Informationen

Der Indikator gibt Auskunft über den Zustand der Flussauen als Lebensraum von Pflanzen und Tieren.