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Nachhaltige Forstwirtschaft

Diagramm

Diagramm des Indikatorverlaufs mit Werten von 2000 bis 2009. Die Kernaussage des Diagramms und weitere Informationen finden Sie in der nachfolgenden Tabelle.

Grafik: BfN (2010), Daten: BWI2 (2002), PEFC (2009), FSC (2009)

Kurzfassung

Indikator "Nachhaltige Forstwirtschaft"
Themenfelder der NBS B 1.2.1 Wälder, C 6 Land- und Forstwirtschaft
Definition Der Indikator gibt Auskunft über den Schutz der biologischen Vielfalt durch nachhaltige Forstwirtschaft.
Gemessene oder beobachtete Größe Anteil der nach PEFC bzw. FSC zertifizierten Waldflächen an der gesamten Waldfläche
Letzter berichteter Wert Anteil PEFC: 69 % / Anteil FSC: 4 % (Stand: 2009)
Ziel/Zielwert 80 % der Waldfläche trägt bis zum Jahr 2010 ein Siegel, das nach hochwertigen ökologischen Standards zertifiziert
Status PlusDer aktuelle Wert liegt in der Nähe des Zielbereiches (Zielerreichungsgrad 80 % bis < 90 %).
Trend Pfeil nach obenStatistisch signifikanter Trend hin zum Ziel bzw. Zielwert
Kernaussage Im Jahr 2009 waren 69 % der Waldfläche nach PEFC und 4 % der Waldfläche nach FSC zertifiziert. Der Gesamtwert liegt in der Nähe des Zielbereiches. Um das Ziel von 80 % zu erreichen, bedarf es weiterer Zertifizierungen nach hochwertigen ökologischen Standards.
Indikatorensystem KIS

Einführung

Nahaufnahme eines Brennholzstapels

Brennholz © Jos

Knapp ein Drittel der Landfläche Deutschlands ist mit Wäldern bedeckt. Wälder beherbergen eine große Vielfalt an Arten und Lebensräumen. Jedoch sind zahlreiche Tier- und Pflanzenarten, die in Wäldern vorkommen, gefährdet, vom Aussterben bedroht oder bereits ausgestorben. Struktur und Funktion der Wälder im Landschaftshaushalt sowie Vorkommen und Häufigkeit von Tier- und Pflanzenarten werden auf dem überwiegenden Teil der Flächen von forstwirtschaftlichen Nutzungen geprägt. Nach wie vor sind Fichten (28 %) und Kiefern (23 %) die häufigsten Baumarten, während sie von Natur aus nur wenige Prozent der Waldgesellschaften prägen würden. Eine naturnahe Zusammensetzung der Baumarten findet sich auf ca. 35 % der Waldfläche. 73 % der Wälder sind Mischwälder, ca. 46 % der Wälder setzen sich aus einschichtigen Bestockungen zusammen, ca. 45 % sind zweischichtig und ca. 9 % sind mehrschichtig aufgebaut. Naturnahe Wälder weisen je nach Waldtyp und Standort neben standortgerechten, einheimischen Baumarten auch eine ausgeprägte Stufung der Vegetation, einen ausreichenden Alt- und Totholzanteil sowie zahlreiche Kleinstrukturen auf, die spezialisierten Arten Lebensraum bieten.

Die Bundesregierung formuliert als Ziel für die Zukunft: „Die Wälder in Deutschland weisen eine hohe natürliche Vielfalt und Dynamik hinsichtlich ihrer Struktur und Artenzusammensetzung auf und faszinieren die Menschen durch ihre Schönheit. Natürliche und naturnahe Waldgesellschaften haben deutlich zugenommen. Die nachhaltige Bewirtschaftung der Wälder erfolgt im Einklang mit ihren ökologischen und sozialen Funktionen.“ (BMU 2007: 31)

Um die biologische Vielfalt in Wäldern zu erhalten und zu fördern, sollen umwelt- und naturverträgliche Formen der Forstwirtschaft verstärkt umgesetzt werden. Die Forstwirtschaft hat die Vorteile naturnaher Waldbewirtschaftung selbst erkannt und arbeitet zielstrebig an einer Umsetzung. Die Zertifizierung der Waldbewirtschaftung kann ein wirksames Instrument darstellen, den Schutz der biologischen Vielfalt in Wäldern zu stärken und eine gleichermaßen ökologisch, sozial und ökonomisch nachhaltige Waldbewirtschaftung durch entsprechende Bewirtschaftungsmaßnahmen sicherzustellen. In Deutschland gibt es zurzeit drei etablierte Zertifizierungssysteme für die Waldbewirtschaftung:

  • Das Programme for the Endorsement of Forest Certification Schemes (PEFC) geht auf eine Initiative des Europäischen Waldbesitzerverbandes zurück. Es wurde 1999 auf Basis der EU-Ministerkonferenz zum Schutz der Wälder Europas in Helsinki gegründet und weist mit rund 69 % der zertifizierten Waldfläche den derzeit größten zertifizierten Flächenanteil in Deutschland auf. Das Zertifizierungssystem PEFC wird von zahlreichen Betrieben und Unternehmen der privaten, kommunalen und staatlichen Forst- und Holzwirtschaft unterstützt.
  • Der Forest Stewardship Council (FSC) wurde 1993, ein Jahr nach der Konferenz „Umwelt und Entwicklung“ in Rio de Janeiro gegründet. FSC wird von Umwelt- und Naturschutzorganisationen (WWF, Greenpeace, NABU u.a.), Sozialverbänden (IG BAU, IG Metall u.a.) sowie zahlreichen Unternehmen der Privatwirtschaft unterstützt. Rund 4 % der zertifizierten Waldfläche werden nach den Standards des FSC bewirtschaftet.
  • Das Naturland-Zertifikat wurde 1996 von Greenpeace, BUND, WWF und Robin Wood entwickelt. Basis dieser Zertifizierung sind die Naturland Richtlinien zur Ökologischen Waldnutzung. Die Vermarktung und Siegelvergabe werden im Rahmen einer Gruppenzertifizierung nach FSC organisiert. Die nach Naturland zertifizierten Waldflächen (rund 0,5 %) sind im Folgenden in den FSC-Flächenangaben enthalten.

„Aus ökologischer Sicht besonders wertvolle alte Wälder (mit Bäumen älter als 180 Jahre) sind mit ca. 2 % Anteil an der Waldfläche kaum mehr vorhanden.“ (BMU 2007: 32)

In der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt werden als Gründe für die Gefährdung von Arten in Deutschland u. a. genannt: „Lokale Defizite bei der Waldbewirtschaftung (der zu geringe Anteil von Alters- und Zerfallphasen sowie von Höhlenbäumen und Totholz, strukturarme Bestände, nicht standortgerechte Baumarten, unangepasste Forsttechnik und Holzernteverfahren).“ (BMU 2007: 17)


Definition

Der Indikator bilanziert die nach den derzeit etablierten Zertifizierungssystemen PEFC bzw. FSC zertifizierten Waldflächen anteilig an der Gesamtwaldfläche Deutschlands. Die Bundesregierung hat als Ziel festgelegt, dass bis zum Jahr 2010 80 % der Waldfläche nach hochwertigen ökologischen Standards zertifiziert sein sollen (BMU 2007: 32).

Die Bundesregierung hat in der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt als Ziel festgelegt: „Zertifizierung von 80 % der Waldfläche nach hochwertigen ökologischen Standards bis 2010“ (BMU 2007: 32).

„Bis zum Jahre 2020 haben sich die Bedingungen für die in Wäldern typischen Lebensgemeinschaften (Vielfalt in Struktur und Dynamik) weiter verbessert. Bäume und Sträucher der natürlichen Waldgesellschaft verjüngen sich ganz überwiegend natürlich. Mit naturnahen Bewirtschaftungsformen werden die natürlichen Prozesse zur Stärkung der ökologischen Funktionen genutzt. Alt- und Totholz sind in ausreichender Menge und Qualität vorhanden.“ (BMU 2007: 31)

„In der Forstwirtschaft setzt sich die Bundesregierung für eine naturnahe Waldbewirtschaftung möglichst auf der gesamten forstwirtschaftlich genutzten Fläche ein.“ (BMU 2007: 72)


Aufbau

Für die Berechnung des Indikators wird auf Daten der Zertifizierungsstellen PEFC und FSC zurückgegriffen. Dabei ist zu beachten, dass Waldflächen gleichzeitig nach PEFC und FSC zertifiziert sein können. Das genaue Ausmaß der Flächenüberschneidungen ist derzeit nicht bekannt. Daher werden die Flächenangaben der beiden Zertifizierungssysteme in der Abbildung nebeneinander dargestellt. Bezugsgröße für die Berechnung der Flächenanteile ist die Gesamtwaldfläche Deutschlands, die zuletzt durch die Bundeswaldinventur 2 (BWI2) ermittelt wurde. Sie beträgt etwa 11,1 Mio. ha.


Aussage

Der Anteil nach PEFC zertifizierter Waldflächen lag im Jahr 2009 bei 69 %, der Anteil nach FSC zertifizierter Flächen bei 4 %. Da das Ausmaß an Überschneidungen derzeit nicht bekannt ist, kann der Gesamtwert nicht eindeutig bestimmt werden. Er lag in 2009 zwischen 69 % und 73 % und damit in der Nähe des Zielbereiches. Betrachtet man die Entwicklung zertifizierter Waldflächen seit 2000, so zeigte sich zu Beginn ein schneller Anstieg, der sich seit Mitte des Jahrzehnts deutlich verlangsamt hat. Der Anteil der FSC-Flächen weist seit 2006 einen leichten Rückgang auf. Über den gesamten bilanzierten Zeitraum seit 2000 ergibt sich ein statistisch signifikanter Trend hin zum Zielwert von 80 %.

Um das Ziel der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt zu erreichen, sollten insbesondere öffentliche Waldbesitzer ermutigt werden, sich im Sinne ihrer Vorbildfunktion nach hochwertigen ökologischen Standards zertifizieren zu lassen. Außerdem sollte eine Strategie entwickelt werden, um das Bewusstsein der Öffentlichkeit für einen verantwortungsvollen Einkauf von Holz und Holzprodukten zu stärken und hierdurch die Nachfrage nach zertifiziertem Holz zu steigern.

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Weitere Informationen

Der Indikator gibt Auskunft über den Schutz der biologischen Vielfalt durch nachhaltige Forstwirtschaft.