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Gebietsschutz

Diagramm

Diagramm des Indikatorverlaufs mit Werten von 2000 bis 2008. Die Kernaussage des Diagramms und weitere Informationen finden Sie in der nachfolgenden Tabelle.

Grafik: BfN (2010), Daten: Länder (2009)

Kurzfassung

Indikator "Gebietsschutz"
Themenfelder der NBS B 1.1.3 Vielfalt der Lebensräume, C 1 Biotopverbund und Schutzgebietsnetze
Definition Der Indikator bilanziert die Ausweisung streng geschützter Gebiete als Maßnahme des Gebietsschutzes.
Gemessene oder beobachtete Größe Flächenanteil streng geschützter Gebiete – Naturschutzgebiete (NSG) und Nationalparke (NLP) sowie der als NSG oder NLP ausgewiesenen Kern- und Pflegezonen der Biosphärenreservate (BR) – in Prozent der Landfläche Deutschlands
Letzter berichteter Wert 4,1 % (Stand: 2008)
Ziel/Zielwert Mit der Ausweisung streng geschützter Gebiete wird ein wichtiger Beitrag geleistet u.a. zur Absicherung des nationalen Biotopverbundes und zur Unterschutzstellung von Natura 2000-Gebieten.
Status n.v.
Trend Pfeil nach obenStatistisch signifikanter Trend hin zum Ziel bzw. Zielwert
Kernaussage Der Flächenanteil streng geschützter Gebiete ist von 2000 bis 2008 von 3,2 % auf 4,1 % der Landfläche Deutschlands gestiegen.
Indikatorensystem KIS, LIKI, SEBI
Foto eines Landschaftausschnittes des Naturschutzgebiets Obere Ahr

Naturschutzgebiet Obere Ahr © Gabriele Niclas

Einführung

Die Unterschutzstellung gefährdeter und schützenswerter Gebiete ist eines der wichtigsten Instrumente des Naturschutzes. In Deutschland existieren verschiedene Kategorien von Schutzgebieten mit jeweils sehr unterschiedlichen rechtlichen Vorgaben.

Das BNatSchG sieht als Kategorien mit unterschiedlichem Schutzstatus Naturschutzgebiete, Nationalparke, Nationale Naturmonumente, Biosphärenreservate, Landschaftsschutzgebiete, Naturparke, Naturdenkmäler, geschützte Landschaftsbestandteile und gesetzlich geschützte Biotope (§§ 23-30 BNatSchG) sowie Schutzgebiete gemäß Natura 2000 (§ 32 BNatSchG) vor.

Schutzgebiete stellen in einer fast flächendeckend von menschlichen Nutzungen (insbesondere Land- und Forstwirtschaft, Siedlung und Verkehr) geprägten Landschaft unabdingbare Rückzugsräume für die Tier- und Pflanzenwelt dar. In Naturschutzgebieten und Nationalparken gelten strenge Schutzregelungen, um die Erhaltung und Entwicklung seltener und gefährdeter Arten und Biotope sicherzustellen. Bei Nationalparken spielt zudem die Großräumigkeit eine besondere Rolle. Sie haben zum Ziel, in einem überwiegenden Teil ihres Gebietes einen möglichst ungestörten Ablauf der Naturvorgänge zu gewährleisten. Naturschutzgebiete und Nationalparke sichern wesentliche Bestandteile des nach § 21 BNatSchG aufzubauenden nationalen Biotopverbunds und der in Deutschland gelegenen Teile des europäischen Schutzgebietsnetzes Natura 2000. Sie leisten außerdem einen wichtigen Beitrag zu einem globalen Schutzgebietsnetz. Naturschutzgebiete und Nationalparke sind wichtige Instrumente zur Erhaltung der biologischen Vielfalt in Deutschland. Die Flächengröße dieser beiden Schutzgebietskategorien dient daher als Indikator der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt für Maßnahmen des Gebietsschutzes.

Das europäische Schutzgebietsnetz Natura 2000 ist ein wesentlicher Baustein des Gebietsschutzes in Deutschland. Es dient der Bewahrung bzw. der Wiederherstellung eines günstigen Erhaltungszustandes der Bestände der aus europäischer Sicht bedeutsamen Arten und Lebensraumtypen. Der Anteil der Natura 2000-Gebiete an der Landfläche Deutschlands beträgt 15,3 %. Diese Flächen werden sukzessive unter Schutz gestellt, wobei jedoch entsprechend den jeweiligen Erhaltungszielen die Gebiete nur teilweise als streng geschützte Gebiete (Naturschutzgebiete, Nationalparke oder Kern- bzw. Pflegezonen von Biosphärenreservaten) ausgewiesen werden.

Das Aktionsfeld „Biotopverbund und Schutzgebietsnetze“ der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt stellt die zentrale Bedeutung der Ausweisung von Schutzgebieten und deren Vernetzung für die Erhaltung der biologischen Vielfalt heraus (BMU 2007: 64): „Die Artenvielfalt und die genetische Vielfalt wildlebender Pflanzen- und Tierarten wird insbesondere durch den Schutz ihrer Habitate und Lebensräume erhalten. Bei der Erhaltung reproduktionsfähiger Populationen spielen der Biotopverbund und Schutzgebietsnetze eine zentrale Rolle.“


Definition

Der Indikator „Gebietsschutz“ bilanziert die Gesamtfläche der streng geschützten Gebiete in Deutschland. Dafür wird der prozentuale Anteil der Flächen der Naturschutzgebiete (NSG) und der Nationalparke (NLP) an der Landfläche Deutschlands ermittelt. Kern- und Pflegezonen der Biosphärenreservate (BR) sind hierin eingeschlossen, wenn sie als NSG oder NLP ausgewiesen wurden.

In der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt setzt sich die Bundesregierung verschiedene Ziele mit Bezug zum Gebietsschutz: Bis 2010 soll Deutschland auf 10 % der Landesfläche über ein repräsentatives und funktionsfähiges System vernetzter Biotope verfügen. Außerdem soll sich bis 2020 die Natur auf 2 % der Fläche Deutschlands wieder ungestört entwickeln können. Bis 2010 soll zudem der Aufbau des europäischen Schutzgebietsnetzes Natura 2000 abgeschlossen sein. Mit der Ausweisung streng geschützter Gebiete (Naturschutzgebiete, Nationalparke) wird ein wichtiger Beitrag zur Erreichung dieser Ziele geleistet.

„Bis zum Jahre 2020 kann sich die Natur auf 2 % der Fläche Deutschlands wieder nach ihren eigenen Gesetzmäßigkeiten ungestört entwickeln und Wildnis entstehen. Bis 2010 besitzt Deutschland auf 10 % der Landesfläche ein repräsentatives und funktionsfähiges System vernetzter Biotope. Dieses Netz ist geeignet, die Lebensräume der wildlebenden Arten dauerhaft zu sichern und ist integraler Bestandteil eines europäischen Biotopverbunds.“ (BMU 2007: 28)


Aufbau

Der Indikator summiert die von den Bundesländern seit 2000 jährlich gemeldeten Flächen der streng geschützten Gebiete. Es werden hierfür NSG und NLP getrennt aufgeführt. Nur im NLP „Unteres Odertal“ wurden Flächen sowohl als NSG als auch als NLP gemeldet. Diese werden bei der Bilanzierung des Indikators als NLP-Flächen gezählt. Die Flächenanteile der als NSG oder NLP ausgewiesenen Kern- und Pflegezonen der BR werden nicht gesondert aufgeführt.


Aussage

Die Fläche der streng geschützten Gebiete stieg von 1.129.225 ha im Jahr 2000 auf 1.455.695 ha im Jahr 2008 kontinuierlich an. Dies entspricht bezogen auf die Landfläche Deutschlands für das Jahr 2000 einem Anteil von 3,2 % und für das Jahr 2008 von 4,1 %. Während die Fläche der NSG seit 2000 stetig angewachsen ist, vergrößerte sich die Fläche der NLP ausschließlich zwischen den Jahren 2003 und 2004 nach der Gründung der NLP „Eifel“ in Nordrhein-Westfalen und „Kellerwald-Edersee“ in Hessen.

Der Anstieg der gesamten Fläche streng geschützter Gebiete liegt insbesondere in der nationalen Umsetzung des Natura 2000-Netzwerkes begründet. Da die Unterschutzstellung von Natura 2000-Gebieten in Deutschland noch nicht abgeschlossen ist, wird die Fläche der streng geschützten Gebiete voraussichtlich weiter zunehmen. Die Ausweisung von Schutzgebieten erfolgt durch die Länder. Der Bund kann diesen Prozess unterstützen (z. B. durch die Förderung von Naturschutzgroßprojekten).

Neben einer formalen Ausweisung von Schutzgebieten ist auch eine effektive Betreuung und Pflege der Gebiete im Sinne der festgelegten Ziele des Naturschutzes notwendig. Darüber hinaus ist auch auf eine gute Vernetzung der Schutzgebiete zu achten. Eine Aussage über die Qualität aller bundesweit streng geschützten Gebiete kann bislang nicht getroffen werden. Angelaufen sind aber der Evaluierungsprozess für die deutschen Nationalparke und die bundesweite Erfassung des Erhaltungszustandes der durch die FFH-Richtlinie geschützten Lebensraumtypen und Arten (siehe Indikator „ Erhaltungszustand der FFH-Lebensräume und FFH-Arten“).

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Weitere Informationen

Der Indikator bilanziert die Ausweisung streng geschützter Gebiete als Maßnahme des Gebietsschutzes.

Im NLP „Unteres Odertal“ wurden Flächen sowohl als NSG als auch als NLP gemeldet. Diese Flächen zählen hier als NLP.