Landwirtschaftsflächen mit hohem Naturwert
Diagramm

Grafik: BfN (2010), Daten: BfN und Bundesländer (2010)
Kurzfassung
| Themenfelder der NBS | B 2.4 Landwirtschaft, C 6 Land- und Forstwirtschaft |
|---|---|
| Definition | Der Indikator gibt Auskunft über den Umfang von Landwirtschaftsflächen mit hohem Naturwert (HNV Farmland, High Nature Value Farmland), die zur Erhaltung der biologischen Vielfalt beitragen. |
| Gemessene oder beobachtete Größe | Anteil der Landwirtschaftsflächen mit hohem Naturwert (HNV Farmland, High Nature Value Farmland) an der gesamten Landwirtschaftsfläche |
| Letzter berichteter Wert | 13,0 % (Stand: 2009) |
| Ziel/Zielwert | Bis zum Jahr 2015 sollen HNV-Farmland-Flächen mindestens 19 % der Landwirtschaftsfläche bedecken. |
| Status | |
| Trend | n.v. |
| Kernaussage | Im Jahr 2009 betrug der Anteil der Landwirtschaftsflächen mit äußerst hohem Naturwert 2,2 %, mit sehr hohem Naturwert 4,5 % und mit mäßig hohem Naturwert 6,3 % (HNV-Farmland-Flächen mit einem Gesamtanteil von 13,0 %). Um das Ziel bis zum Jahr 2015 zu erreichen, müssen gezielt Maßnahmen zur Förderung der biologischen Vielfalt in der Agrarlandschaft ergriffen werden. |
| Indikatorensystem | SEBI |
Einführung

Strukturreiche Agrarlandschaft mit hohem Naturwert in der Fränkischen Schweiz © Ulrich Sukopp
Die biologische Vielfalt auf landwirtschaftlich genutzten Flächen ist in den letzten 50 Jahren durch veränderte Bewirtschaftungsformen, insbesondere durch die fortschreitende Technisierung der Landwirtschaft deutlich zurückgegangen. Um diesem Verlust entgegenzuwirken, fördert die EU Maßnahmen der ländlichen Entwicklung u.a. mit dem Ziel, den Zustand von Umwelt und Landschaft zu verbessern. Die Förderung der Entwicklung des ländlichen Raums ist in den Mitgliedsstaaten der EU durch die ELER-Verordnung geregelt.
Die Verordnung (EG) Nr. 1698/2005 des Rates vom 20. September 2005 regelt die Förderung der Entwicklung des ländlichen Raums durch den Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER). Sie wird ergänzt durch die Durchführungsbestimmungen der Verordnung (EG) Nr. 1974/2006 der Kommission vom 15. Dezember 2006.
Im Rahmen der europäischen Förderpolitik (ELER) ist u.a. der Basisindikator „High Nature Value Farmland“ (HNV Farmland, Landwirtschaftsflächen mit hohem Naturwert) neu eingeführt worden. Die Mitgliedsstaaten – in Deutschland der Bund ebenso wie die Länder – sind verpflichtet, für diesen Indikator die Daten regelmäßig zu erfassen und zu berichten. Der Indikator soll dazu beitragen, Aussagen zu Auswirkungen der Landwirtschaft auf die biologische Vielfalt sowie zu Erfolgen bei der Förderung der biologischen Vielfalt in der Agrarlandschaft zu treffen. Um die hierfür notwendigen Daten bereitzustellen, werden in einem neu konzipierten bundesweiten Monitoring im Rahmen eines Stichprobenverfahrens seit 2009 Landwirtschaftsflächen mit Hilfe einer standardisierten Erfassungs- und Bewertungsmethode kartiert. Die in der Stichprobe ermittelten Flächenanteile werden auf die landesweite Landwirtschaftsfläche hochgerechnet. Hierfür erfolgt eine regelmäßige Bestimmung des Anteils der Flächen mit hohem Naturwert (in ha) und die Einordnung in Qualitätsstufen. Diese Methodik wird auf der Basis gewonnener Erfahrungen evaluiert und der Indikator ggf. weiterentwickelt.
Definition
Der Indikator bilanziert den Anteil der Landwirtschaftsflächen mit hohem Naturwert (HNV-Farmland-Flächen) an der gesamten Landwirtschaftsfläche. Als Landwirtschaftsfläche mit hohem Naturwert gelten extensiv genutzte, artenreiche Grünland-, Acker-, Streuobst- und Weinbergsflächen sowie Brachen. Hinzu kommen strukturreiche Landschaftselemente wie z. B. Hecken, Raine, Feldgehölze und Kleingewässer, soweit sie zur landwirtschaftlich genutzten Kulturlandschaft gehören. Die Einstufung von Flächen und Landschaftselementen erfolgt nach einem festgelegten System von Qualitätskriterien. HNV-Farmland-Flächen werden in Flächen mit äußerst hohem, sehr hohem und mäßig hohem Naturwert unterteilt.
Als Ziel für die Zunahme des Anteils von Landwirtschaftsflächen mit hohem Naturwert wurde in der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt eine Steigerung um mindestens 10 Prozentpunkte im Zeitraum von 2005 bis 2015 festgelegt. Da die Erfassung erstmals im Jahr 2009 durchgeführt wurde, wird als Startwert der Stand des Jahres 2009 herangezogen. Soll der Anteil der HNV-Farmland-Flächen beginnend in 2009 über einen Zeitraum von 10 Jahren um mindestens 10 Prozentpunkte angehoben werden und unterstellt man eine lineare Entwicklung bis zum Jahr 2019, ergibt sich als Zielwert eine Erhöhung um mindestens 6 Prozentpunkte auf einen Anteil von mindestens 19 % der Landwirtschaftsfläche bis zum Jahr 2015.
„Bis 2015 nimmt der Flächenanteil naturschutzfachlich wertvoller Agrarbiotope (hochwertiges Grünland, Streuobstwiesen) um mindestens 10 % gegenüber 2005 zu. In 2010 beträgt in agrarisch genutzten Gebieten der Anteil naturnaher Landschaftselemente (z. B. Hecken, Raine, Feldgehölze, Kleingewässer) mindestens 5 %.“ (BMU 2007: 47)
Aufbau
Die HNV-Farmland-Flächen werden bundesweit in einer repräsentativen Stichprobe auf ca. 900 Flächen von je einem Quadratkilometer Größe erfasst. Diese Flächen werden auch für das Brutvogelmonitoring genutzt, das u.a. die Daten für den Indikator „Artenvielfalt und Landschaftsqualität“ bereitstellt. Ab 2010 soll der Indikatorwert alle zwei Jahre für die Berichterstattung aktualisiert werden. Die Größe der Landwirtschaftsfläche mit hohem Naturwert sowie der drei Unterkategorien wird aus der Stichprobe für ganz Deutschland hochgerechnet und in Prozent der gesamten Landwirtschaftsfläche angegeben. Hierfür wird die Landwirtschaftsfläche über das Amtliche Topographisch-Kartographische Informationssystem (ATKIS) bestimmt.
Aussage
Die Kartierungsergebnisse aus dem Jahr 2009 liefern einen Indikatorwert von 13,0 % Anteil der HNV-Farmland-Flächen an der gesamten Landwirtschaftsfläche. 2,2 % der Landwirtschaftsfläche wurden als Flächen mit äußerst hohem und 4,5 % als Flächen mit sehr hohem Naturwert eingestuft. Da Flächen mit sehr hohem und äußerst hohem Naturwert von herausragender Bedeutung für den Schutz der biologischen Vielfalt in der Agrarlandschaft sind, ist künftig durch eine verbesserte Honorierung der Leistungen der Landwirte insbesondere die Erhaltung und Ausweitung dieser Bereiche zu entwickeln. Mit 6,3 % Flächenanteil wurde knapp die Hälfte der HNV-Farmland-Fläche als Landwirtschaftsfläche mit mäßig hohem Naturwert eingestuft. Diese Flächen erfüllen die Anforderungen für eine Einordnung in die unterste Stufe des HNV-Farmland, da ihr Arten- und Strukturreichtum zwar höher ist als bei Flächen, die nicht zu HNV-Farmland-Flächen zählen, aber im Verhältnis zu den Flächen mit äußerst hohem und sehr hohem Naturwert nicht so stark ausgeprägt ist.
Um den HNV-Farmland-Gesamtanteil bis 2015 auf 19 % zu erhöhen, sind weiterhin große und gezielte Anstrengungen erforderlich. Hierzu könnten flankierend zu anderen Maßnahmen Agrarumweltmaßnahmen, die umwelt- und naturverträgliche Produktionsformen in der Landwirtschaft honorieren, einen Beitrag leisten. Dabei sollten folgende Maßnahmen verfolgt werden:
- Vermeidung weiteren Grünlandumbruchs
- Einrichtung von extensiv genutzten oder ungenutzten Pufferstreifen um Landschaftselemente und Äcker
- Erhaltung von Ackerbracheflächen auf Böden mit niedrigen Bodenpunkten durch gezieltes Brachemanagement
- Erhöhung des Umfangs des Vertragsnaturschutzes zur Sicherung artenreicher, agrarisch geprägter Offenlandlebensräume
- Integration von Extensivflächen (u.a. gemanagte Naturschutzbrachen, Blühstreifen, Pufferstreifen entlang von naturnahen Biotopen) in leistungsfähige konventionelle und ökologische Nutzungssysteme
- Nutzungsextensivierungen auf geeigneten Grünlandflächen
Um bei der Umsetzung dieser Maßnahmen die Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe zu erhalten, ist im Falle wirtschaftlicher Einbußen ein finanzieller Ausgleich für die Bewirtschafter bereitzustellen.

