Bundesamt für Naturschutz

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Entwicklung und Umsetzung eines internationalen Standards zur nachhaltigen Wildsammlung von Heil- und Aromapflanzen


Der größte Teil der weltweit für Heilzwecke genutzten Pflanzen wird aus Wildsammlung gewonnen. Nur relativ wenige MAP-Arten (Medicinal and Aromatic Plants) werden angebaut.

Industrie, Regierungen, Zertifizierer, Resourcenmanager und Sammler benötigen Hilfe bei der Einschätzung der Nachhaltigkeit von Wildsammlung. Außerdem verlangen die Konsumenten nach nachhaltig und ethisch korrekt produzierten Produkten. Um dieser Nachfrage zu begegnen wurde der Internationale Standard für die nachhaltige Wildsammlung von Heil- und Aromapflanzen (International Standard for Sustainable Wild Collection of Medicinal and Aromatic Plants, ISSC-MAP) von der Weltnaturschutzunion IUCN, dem Bundesamt für Naturschutz (BfN), WWF Deutschland und TRAFFIC entwickelt. Eine internationale Beratergruppe aus mehr als 150 Experten half bei der Entwicklung des ISSC-MAP.

Der ISSC-MAP bietet Kriterien und Indikatoren für eine nachhaltige Wildsammlung von Heil- und Aromapflanzen an und hilft all denen, die mit deren Sammlung, Management, Handel, Verarbeitung und Verkauf zu tun haben, die Bedingungen, unter denen eine nachhaltige Sammlung dieser Ressourcen stattfinden kann, zu verstehen und sie zu erfüllen.

In diesen Standard sind Prinzipien und Richtlinien für nachhaltige Waldnutzung, biologischen Landbau und gute landwirtschaftliche Praxis, fairen Handel und Produktqualität eingeflossen. Der Schwerpunkt liegt auf den bisher meist vernachlässigten ökologischen Aspekten wie der Notwendigkeit, Ressourcen zu inventarisieren, und der Bestimmung nachhaltiger Sammelmengen. Der Standard besteht aus sechs Prinzipien, 18 untergeordneten Kriterien und zahlreichen Indikatoren zur Verifizierung.

Sechs Prinzipien bilden das Grundgerüst des ISSC-MAP:

  • Erhalt der natürlichen Heilpflanzen-Ressourcen
  • Vermeidung negativer Umwelteinflüsse
  • Einhaltung von Gesetzen, Bestimmungen und Vereinbarungen
  • Anerkennung von Gewohnheitsrechten (der lokalen bzw. indigenen Bevölkerung)
  • Anwendung verantwortungsvoller Managementmethoden
  • Anwendung verantwortungsvoller Geschäftsmethoden

Der erarbeitete Standard soll in unterschiedlicher Weise zur Anwendung kommen: als Basis für Zertifizierungssysteme, als Handlungsgrundlage bei der Rohmaterialbeschaffung der Industrie, als fachliche Grundlage für bestehende rechtliche Instrumente sowie als Standard für international arbeitende Förderorganisationen (z. B. GTZ, Weltbank, GEF).

Seit Oktober 2008 ist der ISSC-MAP Bestandteil des von der FairWild Foundation (www.fairwild.org) geführten FairWild-Standards. Neben den ökologischen Anforderungen beinhaltet der FairWild Standard umfassende FairTrade- und soziale Kriterien und liefert somit eine ausführliche Anleitung für Gute Praxis im Bereich Wildsammlung – ganz im Sinne der CBD.

Der FairWild-Standard ist anwendbar auf wild gesammelte Pflanzen, Pilze, Flechten und deren Teile; vom Rohmaterial bis zum Endprodukt. Der Standard ist in unterschiedlichen Szenarien im Bereich nachhaltiges Management und nachhaltige Sammlung von Wildpflanzen einsetzbar. Über das von der FairWild-Stiftung angebotene FairWild Label ist auch eine Zertifizierung möglich.